Kurzdokumentarfilm
Für unseren Kurzfilm „Bei näherer Betrachtung“ haben wir fünf Tage mit einer Kuhherde auf dem Klostergut Heiningen verbracht. Wir wollten die Tiere möglichst ungestört beobachten und das Gesehene nicht durch Kommentar oder Musik deuten. Der Film lebt deshalb ausschließlich von den Bildern und Geräuschen, die vor Ort entstanden sind. Wir haben zu zweit gearbeitet: Ich habe die Kamera, die Sichtung des Materials und die Postproduktion übernommen.

Über das Projekt
Für Bei näherer Betrachtung wollten wir herausfinden, wie sich der Alltag einer Kuhherde allein durch genaue Beobachtung zeigen lässt. Dabei haben wir uns an Dziga Vertovs Idee des Kino-Auges und an der ruhigen Bildsprache von Filmen wie Samsara orientiert. Im Mittelpunkt stehen keine großen Ereignisse, sondern alltägliche Bewegungen und die Beziehungen zwischen den Tieren.

Filmische Gestaltung
Der Film wechselt zwischen sehr nahen Körperaufnahmen und weiten Bildern der Herde. Lange Einstellungen geben Zeit, kleine Bewegungen wahrzunehmen, die aus der Entfernung leicht übersehen werden. Dazu gehören das Arbeiten des Kiefers, die Atmung, Berührungen zwischen den Tieren und die Nähe zwischen einer Mutter und ihrem Kalb. Das Bildformat 4:3 lenkt den Blick zusätzlich auf die Körper und gibt der umgebenden Landschaft weniger Raum.

Zu sehen sind wiederkehrende Abläufe wie Säugen, Putzen, Wandern, Grasen, Wiederkäuen und Ruhen. Der Film folgt dabei keinem vollständigen Tagesablauf. Stattdessen verdichtet er unsere Beobachtungen zu einer Abfolge, die vom einzelnen Körper über die Beziehungen der Tiere bis zur gesamten Herde führt.

Meine Aufgaben
Ich habe die Kamera, die Sichtung und Organisation des Materials sowie den Schnitt und die weitere Postproduktion in DaVinci Resolve übernommen. Für die Aufnahmen habe ich mit einer Sony Alpha 6600 in 4K gearbeitet. Xenia hat den Ton und einen großen Teil der Organisation rund um die Dreharbeiten übernommen.

Herausforderungen und Erkenntnisse
Vieles ließ sich bei den Dreharbeiten nicht vorausplanen. Die Kühe bewegten sich anders als erwartet, das Licht änderte sich ständig und interessante Situationen entstanden oft ganz nebenbei. Im Laufe der fünf Drehtage haben wir die Herde besser kennengelernt und konnten ihre Bewegungen leichter einschätzen. Auch die Tiere haben sich zunehmend an uns gewöhnt und immer mehr Nähe zugelassen.
Beim Schnitt fiel es mir anfangs schwer, mich von Aufnahmen zu trennen. In fünf Drehtagen war viel Material entstanden, trotzdem konnte nicht alles Teil des fertigen Films werden. Erst durch das konsequente Kürzen hat sich nach und nach eine klarere Form entwickelt.
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